Mehr Pädagogik

Was ist die „vorbereitete Umgebung“?

Ein Schwerpunkt der Montessori-Pädagogik ist die sogenannte vorbereitete Umgebung. Das ist ein vielschichtiger, von den Bedürfnissen und dem Entwicklungsstand des Kindes wie auch von den gesellschaftlichen Bedingungen abhängiger Begriff.

Für uns als Schule bedeutet es, alle Lernräume so zu gestalten, dass die Kinder bereits durch die Umgebung und durch den optimalen Zugriff auf das spezielle Montessori-Material Lernimpulse verspüren. Das ist eine wichtige Voraussetzung für den selbstbestimmten Lernprozess. So können unsere Kinder ihre Potentiale laufend weiter entfalten.

Die Kinder wählen die Materialen nach ihrem Interesse aus. Diese ermöglichen Selbstbildung und Selbsterziehung.

So kann die vorbereitete Umgebung als dritter Pädagoge bezeichnet werden, der die Entwicklung, Bildung und Förderung der Kinder optimal unterstützt.

Was ist Montessori-Material?

Kernstück der Montessori-Pädagogik ist speziell – von Maria Montessori und ihrem Sohn Mario – entwickeltes Material. Es stehen Sinnesmaterial, Sprachmaterial, mathematisches Material, kosmisches Material, Perlenmaterial und weitere Materialien zur Verfügung, wie zu Übungen des täglichen Lebens oder zu Übungen der Stille.

Das Material ist so konzipiert, dass es die Aufmerksamkeit der Schüler fesselt sowie selbstständige Arbeit und auch Fehlerkontrolle ermöglicht. Diese Materialien sind den jeweiligen Entwicklungsbedürfnissen des Kindes angepasst und befriedigen beispielsweise das Bedürfnis nach selbstständiger Aktivität, Bewegung, sinnlicher Erfahrung und Abstraktion. Anhand der Materialien können die Schülerinnen und Schüler Lerninhalte im doppelten Wortsinn begreifen und dauerhaft verinnerlichen.

In der Freiarbeit wählt der Schüler das Material gemäß seinem Entwicklungsstand und seinem Interesse frei aus.

In der Grundstufe steht die Arbeit mit konkret greifbarem Material im Vordergrund. Mit zunehmendem Alter gewinnen abstrahierende Formen des Lernens an Bedeutung. Die Prinzipien der freien Wahl, der Selbstständigkeit und der Selbstkontrolle bleiben.

Was bedeutet „Kosmische Erziehung“?

Für Maria Montessori waren Vertrauen, Liebe und Achtung gegenüber jedem Kind unabdingbare Voraussetzungen für pädagogisches Handeln. Im Rahmen der kosmischen Erziehung erfährt sich das Kind als wertvoller Teil der Umwelt, die es genau deshalb auch zu schützen gilt. So können die Kinder ein Bewusstsein für ihren einzigartigen Platz in der Welt entwickeln, aber auch die damit verbundene Verantwortung erkennen.

Zugrunde liegt der kosmischen Erziehung der Gedanke, dass alles, was ist, voneinander abhängig ist. Das Insekt, das ausfliegt, seine Nahrung in der Blüte der Pflanze zu suchen, führt unbewusst eine altruistische Aufgabe aus, die Bestäubung der Blüten (...) Jede Art wirkt für das Ganze, und vom Werk eines jeden hängt die Lebensmöglichkeit des Ganzen ab.

Mit dieser Sichtweise lädt die kosmische Erziehung die Kinder ein, jeden einzelnen Teilbereich des Lebens und Lernens miteinander zu verbinden. Es geht darum, dem Kind ein Bild vom Großen und Ganzen zu vermitteln. Dafür braucht es sowohl viel Phantasie als auch Intelligenz – welches sich gegenseitig nicht widerspricht.

Eine große Bedeutung kommt auch der Ausbildung und Ausdifferenzierung der Empfindung zu. Nur dann, wenn wir beispielsweise selbst die Auswirkungen unseres Handelns auf die Umgebung empfinden, können wir sie in ihrem ganzen Ausmaß begreifen und Verantwortung für sie übernehmen.

Schaubild vom Montessori-Landesverband:

Was sind „sensible Phasen“?

Mit „sensiblen Phasen” sind Zeitspannen gemeint, in denen Kinder eine besonders hohe Bereitschaft und Fähigkeit für bestimmte Lerninhalte zeigen. Montessori hat diesen Begriff aus der Biologie entnommen.

Montessori sagt dazu folgendes: „Sobald eine solche Empfänglichkeit in der Seele des Kindes aufleuchtet, ist es, als ob ein Lichtstrahl von ihr ausginge, der nur bestimmte Gegenstände erhellt, andere hingegen im Dunkel lässt. Die ganze Wahrnehmungswelt des Kindes beschränkt sich dann mit einem Male auf diesen einen hell erleuchteten Bezirk”.

Man weiß heute aus der modernen Lern- und Hirnforschung, dass der Mensch ohne die von innen kommende Begeisterung für ein Thema nicht in der Lage ist, Wissen langfristig zu speichern. Das ist der Grund, warum Gepauktes für Prüfungen nur kurzfristig zur Verfügung steht und dann wieder aus dem Wissensfundus verschwindet.

Wie weit Montessori mit der Erkenntnis der „sensiblen Phasen“ ihrer Zeit und der Lern- und Hirnforschung voraus war, zeigt dieses Zitat: „Das Kind müsste alles, was es lernt, lieben, weil seine geistige und seine gefühlsmäßige Entwicklung miteinander verbunden sind". Die einzige Bedingung dafür ist „die Freiheit zu handeln in einer vorbereiteten Umgebung, in der das Kind auf intelligente Weise aktiv sein kann".

Die intrinsische Motivation ist die Ursache, weshalb das Kind gewisse Dinge interessant findet, sich für sie aufgeschlossen zeigt und andere ignoriert bzw. für sie kein Interesse empfindet. Werden die von innen kommenden Bedürfnisse des Kindes befriedigt, so äußert sich dies in Form von seelischer Ausgeglichenheit und Zufriedenheit.

In der Montessori-Pädagogik geht es darum, mit besonderer Sorgfalt die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder zu beobachten und sie gemäß ihren Interessen je nach sensibler Phase bestmöglich zu begleiten.

Was ist der „Erdkinderplan“?

Maria Montessori betont, dass in der Jugendphase grundsätzlich neue Akzente gesetzt werden müssen. Schließlich sei der Jugendliche nicht das älter gewordene Kind, bei dem das Erziehungskonzept einfach fortgesetzt werden kann. Gleichzeitig ist der Heranwachsende aber auch noch kein Erwachsener. Maria Montessoris Antwort auf die Entwicklungsbedürfnisse der Jugendlichen ist eine „Erfahrungsschule des sozialen Lebens“. Dabei geht es ihr darum, den Jugendlichen geschützte Räume zu öffnen, damit sie praktisch tätig werden, eigene Lebenserfahrungen machen und die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen und mit Erwachsenen in realen Lebenszusammenhängen erfahren können. Mitte der dreißiger Jahre stellte Montessori in Vorträgen ihre Ideen einer Sekundarstufe unter dem Titel „Erdkinderplan“ vor.

Als Montessorischule stehen wir vor der Herausforderung, ihre Gedanken zum Jugendalter zeitgemäß aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Dazu haben die Jugendlichen bei uns die Möglichkeit, sich in verschiedenen, entsprechenden Tätigkeiten einzubringen:

Erdkinderplan-Projekt-Freitag

Wir haben den Erdkinderplan im Schulalltag der 7. und 8. Jahrgangsstufe. So wollen wir den Schülern Räume öffnen, in denen sie praktisch tätig werden, eigene Lebenserfahrungen sammeln und praktische und soziale Arbeitsprozesse kennenlernen können. Jeden Freitagvormittag finden in mehreren Kleingruppen verschiedene Angebote aus dem handwerklichen, technischen und sozialen Bereich statt. Die Schüler können sich zu Beginn des Schuljahres in eine Gruppe einwählen. In dieser Gruppe bleiben sie dann für eine Epoche (ca. 10 Wochen). Nach Ablauf einer Epoche besteht die Möglichkeit, in eine andere Gruppe zu wechseln.

Betriebspraktika

In der 7. Jahrgangsstufe finden zwei Wochen und in der 8. Jahrgangsstufe vier Wochen Betriebspraktikum statt.

Mitarbeit in einer Abteilung unserer Schülerfirma

Die Schüler sollen wirtschaftliches Arbeiten kennen lernen, die eigenen Talente herausfinden und Geld erwirtschaften. Unsere Schülerfirma unterhält verschiedene „Abteilungen“ und wird aus drei Organen gebildet:

1. Schülerfirma-Vorstand, bestehend aus drei Schülern.
2. Schülerfirma-Aufsichtsrat bestehend aus Erwachsenen, die den Vorstand kontrollieren.
3. Schülerfirma-Mitgliedern, die eine Beteiligung an der Firma haben und jährlich eine Gewinnausschüttung erhalten.

Der Pausenverkauf

Der Pausenverkauf wird von Schülern der 7. und 8. Klassen geführt und findet in der Pause statt. Im Pausenverkauf gibt es eine große Auswahl, u.a. Pizzatoasts, belegte Semmeln, Hot Dogs und Getränke. Die Produkte sind zu fairen Preisen zu kaufen.

Der Schülerladen

Im Schülerladen verkaufen Mitglieder der Schülerfirma Schreibwaren. Der Schülerladen hat zweimal in der Woche während der Vormittagspause geöffnet.

Die Schülerwerkstatt

In der Schülerwerkstatt stellen Mitglieder Dinge des täglichen Lebens her, die an schulischen Veranstaltungen verkauft werden.

Das Cateringteam

Das Cateringteam kommt immer dann zum Einsatz, wenn im Schulhaus große Gruppen von Menschen versorgt werden müssen. Bei Veranstaltungen bereitet es zahlreiche Speisen zu, die es an die anwesenden Gäste verteilt und verkauft.

Die Freude, das Selbstwertgefühl, sich von anderen anerkannt und geliebt zu wissen, sich nützlich und fähig zu fühlen, das sind Faktoren von ungeheurer Bedeutung für die menschliche Seele.

MARIA MONTESSORI

Footer - Quick Link

Montessori Schule Kaufering | Cookie Hinweis
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen